Der Dom einmal anders (Foto Karl Hugo Schmölz)

  Auf einmal fuhren wieder, wie schon gehabt, geschmückte Waggons mit Soldaten auf der Eisenbahnbrücke über dem Gereonswall. Der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen. Das Grauen sollte diesmal ungleich größer sein als beim vorherigen Krieg. Wieder wurden die Kluten auseinander gerissen und in alle Winde zerstreut. Sechs lange Jahre, 1939 bis 1945, sollte das Unheil andauern. Anders als beim Ersten Weltkrieg war auch die Heimat betroffen. Die schöne Stadt Köln versank in Schutt und Asche. Wo früher Häuser standen, so wie der „Verdötschte Givvel", waren nur noch rauchende Trümmer. Not und Hunger wüteten wieder unter der Bevölkerung. Endlich, nach der Kapitulation am 8. Mai 1945, schwiegen die Waffen. Der Krieg war vorbei!

 

  Spärlich kamen aus aller Welt die überlebenden Soldaten zurück. So auch die Reste der Klutengarde. Ein kleines Häufchen fand sich in den Trümmern um St. Ursula zusammen. Keine Gedanken an Karneval, keine Gedanken an die Klutengarde. Doch einer hatte schließlich die richtige Idee. „Wir sind doch alles Fründe, wir sind doch all aus St. Ursula, loß mer uns doch Ooschelsfründe nenne, un loß mer uns widder irgendwo treffe. Mehr müssen doch zesammen halde. Da Cöblers Willi, die ,Fott', soll dat widder leiten un organisieren. Dä kann dat am Besten." Somit lebte die Klutengarde fortan weiter als Zint Ooschelsfründe, ehemalige Kölner Klutengarde von 1908.

 

  Langsam kam das Leben in der Stadt Köln wieder in Gang. Die ersten Straßen waren schon vom Schutt befreit. Wenigstens provisorisch. Feldbahngleise durch zogen das Stadtbild kreuz und quer. Überall qualmten kleine Grubenbahnen  quälten sich mit Vollbeladenen Schuttloren durch die Straßen. Am Rande der Stadt entstanden Gebirge aus Schutt, wie zum Beispiel der Mt.Tscherbelino am Gleisdreieck an der inneren Kanalstraße.

 

  Auch die ersten Treffen der neuen Ooschelsfründe" hatten schon stattgefunden. Zuerst in den spärlich hergerichteten Räumen vom „Birrbäumche" in der Ursulastrasse. Viele Fragen wurden gestellt nach vermissten Freunden und Bekannten. Hauptthemen waren in diesen Tagen bei den Zusammenkünften aber Hinweise und Auskünfte über das Hamstern, was kosten Zigaretten, Kaffee und Butter. Der Schwarzmarkt blühte. Das Ursulaviertel mit Gereonswall, Weidengasse und Stavenhof war eine Schaltstelle im Kölschen Schwarzmarkthandel. Brikett- (Klütten) Klauen war an den Güterbahnhöfen und Eisenbahnstrecken angesagt. Selbst Frauen und Kinder wurden hierfür eingesetzt. Brikettwaggons wurden geöffnet, so dass sich der ganze Inhalt auf den Bahndamm ergoss und dann eingesammelt werden konnte. Signale an der Bahnstrecke wurden verstellt, damit die Brikettzüge anhalten mussten und somit lohnendes Ziel zum Plündern wurden. Privatfehden mit der Polizei waren an der Tagesordnung. Es herrschte irgendwie überall eine geordnete Anarchie.

 

  Dann kam der Karneval 1946. Die ersten Sitzungen wurden wieder abgehalten. Einzelne Gesellschaften hatten sich schon wieder formiert und zusammengefunden. So auch im Ursulaveedel die Greesberger, welche das kleine Sälchen von „Haus Virnich am Ring" als Domizil gewählt hatten, neben der Eintrittskarte für eine Veranstaltung musste auch jeder ein paar Klütten für die Heizung mitbringen. Als Getränk diente ein Selbstgebrannter Knollenschnaps, der „Knollibrandie", der mit etwas gebräuntem Zucker als Weinbrand aufgemotzt wurde. Beim Kellner in der Gaststätte musste dann ein Stopfengeld für das Mitgebrachte entrichtet werden. Auch die Kluten besuchten gemeinsam solche Sitzungen im Veedel, denn man wollte wieder dabei sein und mitmachen.

 

  Friedrich Wilhelm Cöbler, die „Fott", schweißte die Gemeinschaft mehr und mehr zusammen. Namhafte Freunde wie Hein Jouy, Albrecht Bodde, mittlerweile Präsident der Großen Kölner KG. von 1882, Paul Schweigler sowie für den musikalischen Teil der Generalmusikdirektor Peter Schmitz standen ihm zur Seite. Das monatliche Treffen der Ooschelsfründe war nun schon fester Bestandteil im Veedel.

Mittlerweile war die „Stiftsklause" auf dem Eigelstein ihr Stammlokal. Karneval wurde mal bei dieser, mal bei jener Gesellschaft gefeiert.

Hein Jouy, inzwischen auch Mitglied bei den Roten Funken und dort als Literat tätig, stellte das Programm für die erste Sitzung der Ooschelsfründe zusammen.

Im Jahre 1960 war es dann soweit. In den Räumen vom Stammlokal „Stiftsklause" wurde die erste Sitzung abgehalten. Präsident war Friedrich Wilhelm Cöbler. Es wurde ein voller Erfolg.

 

Gründungshaus der Klutengarde auf dem Gereonswall
Blick vom Dom auf das zerstörte Köln (Foto Karl Hugo Schmölz) Blick vom Altermarkt auf Gross. St. Martin
  Kardinal Frings bei seinen Schäfchen
   
  Der erste Elferrathj  
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