Willi Birgel. Ein Klut der ersten Garde und nun ein gefeierter UFA - Star

 

Ja, und so ging es dann weiter.

 

Plötzlich, eine neue Erfahrung, rollten über die Eisenbahnbrücke am Gereonswall Züge voll Soldaten. Alles war bekränzt und geschmückt, von Hurra und Gesang begleitet. Krieg war ausgebrochen, der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918. Aus Hurra und Gesang wurde bald Heulen und Wehklagen. Doch wer weiß das schon alles vorher? Die Klutengarde wurde erst einmal auseinander gerissen. Einberufung und Wehrdienst waren jetzt das Tagesprogramm. Karneval ade! 1918 wurde in Versailles Frieden geschlossen. Der Krieg war beendet. Zerschunden und gebrochen kehrten die, die noch lebten, von der Front zurück. Bittere Hungersnot herrschte zu Hause. Erst allmählich trafen sich die Kluten wieder regelmäßig. Einige von ihnen sind nicht aus dem Krieg zurückgekehrt.

 

 Die Regierungsform hatte sich verändert. Des Kaiserreich war zusammen gebrochen und hatte das Volk in Not und Elend zurück gelassen. Die neue Republik musste sich von Anfang an gegen viele Feinde zur Wehr setzen. später kam dann die Inflation und beherrschte die Menschen. Geld, das man am Abend verdient hatte, war am nächsten Morgen nichts mehr wert. An Karneval und Klutengarde dachte da erst niemand. Große Arbeitslosigkeit gab es in allen Bevölkerungsschichten. Konrad Adenauer hieß der Oberbürgermeister in Köln. „Graupenauer" wurde er von den Kölschen genannt, weil er unter anderem für die Hungernden 5uppenküchen einrichtete. Endlich überschlugen sich die Ereignisse. Währungsreform, neues Geld. Statt Millionen und Billionen nun die Deutsche Rentenmark. Es begannen die „Goldenen Zwanziger", die den Menschen zunächst eine kurze Atempause verschafften.

 

 Auch der Karneval hatte wieder Tritt gefasst. Die ersten Rosenmontagszüge zogen wieder durch die Stadt. Die „Mülheimer Brücke" oder die „Pressa" waren eindrucksvolle Themen. Auch die Kluten zogen wieder durch das Veedel. Neue, jüngere Leute füllten die gelichteten Reihen. Der ehemalige Klut Willi Birgel, dä met däm Thiaterfutz em Kopp, war zum gefeierten Ufa - Star avanciert. Immer wegen seinem Eifer belächelt, dä kunnt jo nur Kölsch bubbele, hatte er mit eisernem Willen Hochdeutsch gelernt, nun war er Filmschauspieler. In Filmen wie „Reitet für Deutschland" oder „Zu neuen Ufern" verkörperte er den wahren Gentleman. Ävver trotzdem blev hä en Klut. Nä wat us enner Klut nit alles weede kann.

 

 Doch die nächsten Katastrophen ließen nicht lange auf sich warten. Die Weltwirtschaftskrise bescherte auch den Deutschen ein Millionenheer von Arbeitslosen.  Die Regierungen der jungen Weimarer Republik wechselten so schnell, dass sie auch nicht annähernd in der Lage waren, die Probleme zu bekämpfen. Dieses Vakuum nutzten die Nationalsozialisten geschickt für ihre Zwecke aus, bis sie schließlich im Januar 1933 die Macht übernahmen. Es begann das Dritte Reich! Konrad Adenauer wurde bereits am 13. März 1933 als Oberbürgermeister abgesetzt.

 

 Auch in den Karneval schlichen sich andere, neue Töne und Zustände ein oder wurden verordnet. Die Jungfrau im Dreigestirn musste ab sofort von einer Frau dargestellt werden. Auch die „Mariechen" in den Tanzgruppen der Gesellschaften, bis dato immer von Männern persifliert,, wurden ab sofort von Frauen verkörpert. Karnevalsvereine sammelten auf einmal für das Winterhilfswerk. Juden, immer geachtete Mitbürger in unserer Stadt, wurden in Rosenmontagszügen verunglimpft und beschmutzt. Das alles war nun nicht mehr der Karneval und der Spaß, den die Klutengarde sich wünschte. Hier konnte und wollte man nicht mehr mitmachen. Es wurde stiller um die Klutengarde. Gefeiert wurde meist nur unter sich und hinter verschlossenen Türen

 

 

 

 

Der letzte "Zoch" vor dem 2. Weltkrieg

 

                                                                                                                          

                                   

 

                              "he jeit et Wigger"